Fulltext Wanted – Dead or Alive: Volltextsuche nach Wild-West-Manier mit Google und Co.

Früher hat man gleich geschossen, heute nimmt man Google. Bei der Suche nach Volltexten von Fachartikeln gerne auch Google Scholar: Copy, Paste, Klick und schon öffnet sich das PDF – Nachdenken konnte wieder mal erfolgreich vermieden werden.Grabill_-_The_Cow_BoyAls großer Fan dieser Wild-West-Methode werfe ich jede noch so kryptische Literaturangabe erstmal in die Wundermaschine Internet („erst schießen, dann fragen“) – und das nicht selten mit Erfolg; entsprechend hoch war meine bisherige Meinung von den ausgeklügelten Algorithmen, die da im wilden Kalifornien werkeln. Bis mir jemand diese Literaturangabe schickte:

“Fonesca AC , Cryptogenic stroke. Eur J Neurol, 22/4, 618-23, 2015”

fonesca_scholar

Google Scholar findet nichts, erkennt aber (zu Recht), dass der Gringo vielleicht unter falschem Namen unterwegs ist: „Meinten Sie: Fonseca …“ – allerdings ohne damit dann mehr Erfolg zu haben.

fonesca_scholar2

Nett finde ich ja die „Vorschläge“ von Google Scholar, wenn nichts gefunden wurde: „Probieren Sie es mit anderen Suchbegriffen.“ Wenn du etwas nicht findest, suche etwas anderes, das klingt nach alter indianischer Weisheit.

Hilfreich ist allerdings der Vorschlag, die Suchanfrage auf das gesamte Web zu erweitern, also die Suchanfrage an das klassische Google weiterzuleiten, das an erster Stelle gleich den (richtigen) Link zu Pubmed bringt. Die optimierte Quick-and-Dirty-Suchstrategie beginnt also gleich mit Google ohne Scholar – wenn es zusätzlich Treffer bei Google Scholar gibt, werden diese ja dann ohnehin prominent angezeigt (in unserem Falle also nicht).

fonesca_google

Aus der Weite der Prärie kommen nun auch noch andere Kopfgeldjäger herangeritten und wollen auf der Suche nach dem geheimnisvollen Schlaganfall ihr Glück machen: PubMed, Medpilot und sein junger Sohn Livivo.

fonesca_pubmed

Schnell ist klar, John „PubMed“ Wayne ist hier der alte Hase und führt mich sofort zum richtigen Treffer: „1 citation found using an alternative search“ will mir wohl sagen, dass er meine schlecht formulierte Anfrage zwar missbilligt, aber mit einem lässigen Schulterzucken trotzdem das Richtige findet (natürlich ohne sich in die Karten schauen zu lassen).

fonesca_medpilot

Medpilot und Livivo haben leider Ladehemmung und finden weder mit falschem noch mit richtigem Namen in der obigen Form der Suchanfrage ein Ergebnis. Bei den Vorschläge auf der Leider-keine-Treffer-Seite wurde wohl die Empfehlung vergessen: „Probieren Sie eine andere Suchmaschine.“

fonesca_livivo

Interessant am Rande: Mit der abgewandelten Eingabe „Fonesca Cryptogenic stroke“ findet Medpilot das richtige Ergebnis, Livivo leider immer noch nichts, erst bei richtig geschriebenem Namen kommt dann auch hier das richtige Ergebnis – da wurde wohl eine nützliche Suchroutine eingespart.

Zum Volltext kommt man dann etwa via Pubmed auf die Seite von Wiley, wo der Artikel glücklicherweise frei verfügbar ist (mit dem gesparten Lösegeld spendiere ich später im Saloon eine Lokalrunde).

fonesca_wileyhttp://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/ene.12673/abstract

Bemerkenswert scheint mir, dass auch die Google Websuche keinen Suchtreffer direkt zu Wiley zutage bringt sondern nur zu Pubmed – erst, wenn man auch hier die Eingabe abwandelt etwa zu „Fonesca Cryptogenic stroke“ taucht bei den Suchtreffern Wiley direkt auf, während Google Scholar sich weiter blind und taub stellt.

Nachdem sich der Pulverdampf gelichtet hat, stellt sich heraus, dass weder Google Scholar noch Medpilot (R.I.P.) und Livivo (zu jung zum Sterben!) für die rauen Suchsitten im Wilden Westen geeignet sind. Die Websuche von Google kam mit ein paar Blessuren davon, während der alte Haudegen Pubmed mit dem Volltext in der Hand als strahlender Sieger vom Platz geht bzw. natürlich reitet.

fonesca_wiley2

Welche Erfahrungen haben Sie im alltäglichen Wettstreit der Suchmaschinen-Komantschen? Wie kommen Sie am Schnellsten vom kryptischen Input zum Volltext (mit oder ohne Lösegeld)? Wie hätte die Kavallerie das Problem gelöst? Ich freue mich auf Ihre Kommentare!

4 comments for “Fulltext Wanted – Dead or Alive: Volltextsuche nach Wild-West-Manier mit Google und Co.

  1. Greg
    12. November 2015 at 11:52

    With a search in Google Scholar for „Fonesca Cryptogenic stroke“ which Google suggested to correct to „Fonseca Cryptogenic stroke“, filtered to records since 2015, the first result returned to me is the (free full text) Wiley version of the document.

    https://scholar.google.de/scholar?as_ylo=2015&q=Fonseca+Cryptogenic+stroke

  2. Christian Vogel
    12. November 2015 at 1:06

    Thank you for your comment; you are perfectly right. In the non-filtered list this result is number 12, im my opinion this is not very satisfactory given the fact that the search term consists of the author’s name and the exact title. If I wouldn’t have had the publication year I think I would have tried another search engine prior to open page 2 of the search results. So maybe Google Scholar barely survived this wild west experiment, but still disappoints me.

  3. 15. November 2015 at 2:08

    I tried this one:
    http://search.crossref.org/

    But, as Dr. phil., I have no idea …

    Regards,
    A. Saurma

  4. Christian Vogel
    16. November 2015 at 8:46

    Crossref is a very good suggestion here as I actually conduct a metadata search with search engines that are not especially prepared for this (with exception of PubMed, I guess) and hope they perform at least good enough for my inquiry. So Crossref maybe the US cavalry in this context …

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