Bericht aus der AGMB: Krankenhausbibliotheken

April 2, 2012 | AGMB, Krankenhaus | Manuela Schulz |

Am Freitag, dem 24.o2.2012, fand das 1. Zwischentreffen des Arbeitskreises der Krankenhausbibliotheken im Klinikum Fulda statt. Dagmar Nentwig, Leiterin der Medizinischen Zentralbibliothek und Patientenbibliothek in Fulda, begrüßte die 19 Teilnehmerinnen aus dem gesamten Bundesgebiet und skizzierte den Ablauf des Tages mit folgenden Themenschwerpunkten: Einsatz elektronischer Ressourcen, neue Aufgabenfelder für Krankenhausbibliotheken, Konsortialverträge und Einkaufgemeinschaften für Krankenhausbibliotheken, Erfahrungsaustausch zu praxisrelevanten Themen.

In der Begrüßungsrunde stellte sich jede Krankenhausbibliothek als Unikat heraus. Viele Kolleginnen arbeiten in integrierter Bibliotheksarbeit in beiden Bereichen der wissenschaftlichen Fachbibliothek und der Patientenbibliothek, angefangen von OPL (One Person Library) bis hin zu mehreren Zweigstellen und teils mit Unterstützung von ehrenamtlichen MitarbeiterInnen. Das Spektrum der Krankenhausträger ist vielfältig und umfasst kommunale, kirchliche und private Einrichtungen. Insgesamt wurde festgestellt, dass der Sparzwang der Krankenhäuser auch nicht vor den Krankenhausbibliotheken Halt macht.

Einsatz elektronischer Ressourcen

Dieser Themenschwerpunkt umfasste den Stellenwert der elektronischen Zeitschriften und die Bedeutung von E-Books in Krankenhausbibliotheken. Welche Datenbanken für die Medizin und Pflege werden von Seiten der Nutzer angefragt und wie erfolgt die Bereitstellung der elektronischen Ressourcen? Die meisten Bibliotheken setzen zur Präsentation der elektronischen Zeitschriften das Portal der EZB (Elektronische Zeitschriftenbibliothek) ein. Sandra Pfob (HELIOS Zentralbibliothek) erläuterte die zusätzliche Schlagwortverlinkung der Zeitschriften zu den einzelnen Fachdisziplinen am Beispiel des Bibliotheksportals der Helios Kliniken. Der Zugriff auf die EZB ist in den meisten Kliniken über deren Intranetportal möglich. Die Nutzung von „daheim“ wird oft von den Nutzern gewünscht, ist aber nicht immer umsetzbar.

Elektronische Bücher werden bevorzugt im Kaufmodell erworben, meist als Verlagspaket. Die Ausweitung des Angebots ist wünschenswert, doch die Verhandlungen mit den Verlagen erweisen sich durch das besondere Anforderungsprofil der Krankenhäuser und den Preisvorstellungen der Verlage als schwierig. Für die Pflege ist in einigen Kliniken das Pflegeportal Thieme CNE lizenziert.

Neue Aufgabenfelder für Krankenhausbibliotheken

Christa Giese (Medizinische Fachbibliothek und Patientenbibliothek, Klinikum Stuttgart) stellte das neue Projekt „Karriere im Klinikum Stuttgart“ vor. Die Krankenhausbibliotheken erfahren dadurch eine neue Wertschätzung in Bezug auf neue Mitarbeiter und Mitarbeiterbindung. Bei Einführungsveranstaltungen präsentiert sich die Bibliothek. Bei Hausführungen werden die Bibliotheken aufgesucht und vorgestellt. Im Internet und Intranet werden die Bibliotheksseiten besser verlinkt und positioniert. Die Darstellung der Bibliotheken wird durch einen aktuellen Dienstleistungskatalog und ein Papier zur Bibliotheksstrategie der Zukunft verbessert.

Konsortialverträge und Einkaufgemeinschaften

Dagmar Nentwig erläuterte den aktuellen, weiterhin schwierigen Stand von Konsortialverträgen für Krankenhäuser. Als möglicher Verhandlungspartner gegenüber den Verlagen bietet sich die Dienstleistungs- und Einkaufsgemeinschaft Kommunaler Krankenhäuser eG (EKK) an. Auf Initiative von Iris Heinke (Fachbibliothek St. Georg Klinikum Leipzig) werden die Konditionen und Möglichkeiten für Krankenhausbibliotheken auf den Weg gebracht. Im September auf der AGMB-Tagung in Aachen wird Iris Heinke über die aktuellen Entwicklungen berichten.

Erfahrungsaustausch

Ein reger Gesprächskreis über aktuelle Fragestellungen aus dem Berufsalltag fand zum Abschluss des Zwischentreffens statt:

  • Die Entsorgung von Altbeständen geschieht in vielen Bibliotheken als Altpapier und über einen Flohmarkt. Ein Verkauf über Antiquariate wurde diskutiert.
  • Die Erfahrungen mit Bibliotheksprogrammen – speziell für kleine Bibliotheken – in Bezug auf Kosten, Umstellungen und Datenkonvertierung wurden ausgetauscht.
  • Der Bestand an medizinischen Patientenratgebern als ein Schwerpunkt der Patientenbibliotheksangebote und dessen Nutzung wurde im Detail besprochen.
  • Mögliche Formen der Zusammenarbeit zwischen Krankenhausbibliotheken und im Haus befindlichen Patienteninformationszentren (PIZ) wurden beleuchtet.
  • Um den Schwund von Periodika im Haus zu reduzieren wurden verschiedene Ansätze vorgestellt (Inhaltsverzeichnisse in Kopie versenden, TOC-Alerts der Verlage für Ärzte einrichten, Sternverteiler).
  • Die Erfassung von Statistik- und Kennzahlen findet in den einzelnen Bibliotheken in unterschiedlicher Darstellungs- und Schwerpunktsetzung statt.
  • Bestellung von OPS/ICD 10 in Print, Online und als Großdruck. Es stehen weiterhin die Printversionen im Vordergrund. Eine Großdruckausgabe wurde von vielen Nutzern gewünscht, wird aber von den Verlagen nicht angeboten.

Einig waren sich die Teilnehmerinnen in dem Wunsch, weitere Treffen zwischen den Jahrestagungen folgen zu lassen.


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