Der Senat der Leibniz-Gemeinschaft hat heute die Förderempfehlung für die ZB MED veröffentlicht. Die Bewertungsgruppe war im Juni 2011 im Haus gewesen.

Hier wichtige Zitate:

“Die ZB MED kommt ihrer satzungsgemäßen Aufgabe der Erwerbung, Erschließung, Archivierung und Bereitstellung von Veröffentlichungen in gedruckter und elektronischer Form aus den Bereichen Medizin und Gesundheit (Standort Köln) sowie den Ernährungs-, Umwelt- und Agrarwissenschaften (Standort Bonn) kompetent nach. Sie ist im Bereich ihres Sammelauftrages eine der international größten Fachbibliotheken.”

“Innerhalb ihres Kerngeschäfts der Bestandsentwicklung und Volltextversorgung ist die ZB MED sehr erfolgreich. Diese Leistung ist vor dem Hintergrund einer im Vergleich zu den anderen großen Fachbibliotheken in der Leibniz-Gemeinschaft geringeren institutionellen Förderung und eines dementsprechend deutlich kleineren Personalbestandes besonders hoch einzuschätzen. In der überregionalen Literatur- und Informationsversorgung nimmt die ZB MED in ihren Aufgabenbereichen eine unverzichtbare Dienstleistungsfunktion für die bibliothekarische Versorgung nahezu aller deutschen Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen wahr.”

“Zur Weiterentwicklung ihrer Dienstleistungen führt die ZB MED satzungsgemäß zwar anwendungsorientierte Forschungs- und Entwicklungsarbeiten durch, in denen sie trotz sehr begrenzter Ressourcen in thematisch interessanten Einzelprojekten beachtliche Ergebnisse erzielt, auf diesen Leistungen aufbauend ist es aber für die erfolgreiche Weiterentwicklung der ZB MED dringend notwendig, dass ein an den Satzungsauftrag anknüpfendes und die verschiedenen Projekte zusammenführendes Forschungskonzept zügig entwickelt und realisiert wird. Dabei müssen gemeinsam mit den Gremien der ZB MED die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass die angewandte Forschung und Entwicklung im Bereich der Informationswissenschaften eine entsprechende Berücksichtigung auf allen organisatorischen Ebenen des Instituts findet. Dabei sollte ggf. auch geprüft werden, inwieweit zusätzliche Mittel für weiteres Personal in diesem Bereich vorgesehen werden können.”

“Für den Fortbestand der Einrichtung ist es notwendig, eine übergeordnete Gesamtstrategie ohne Verzug zu entwickeln und so bald wie möglich schrittweise umzusetzen. Sie muss neben einer Profilierung der Forschungs- und Entwicklungsarbeiten auch eine Anpassung des Dienstleistungsangebotes an neue Informationsbedarfe und neue Formen der Informationsvermittlung vorsehen. Es wird empfohlen, im Zuge dieses Strategieprozesses ein weiter gehendes, zielgerichtetes IT-Konzept zu entwickeln.”

“Dabei steht die ZB MED vor der Herausforderung, ihre Zukunftsfähigkeit nicht nur auf Grundlage der eigenen Potenziale, sondern auch hinsichtlich externer Chancen und Risiken zu überprüfen, was im international hochkompetitiven Bereich der Informationsdienste für die Lebenswissenschaften eine besonders anspruchsvolle Aufgabe ist. Daher sollte auch mit dem Beirat, dem Aufsichtsgremium und insbesondere den öffentlichen Geldgebern beraten werden, welche Reichweite des Informationsangebots und -managements einer Deutschen Zentralbibliothek für Medizin und dabei insbesondere auch der Fachportale MEDPILOT und GREENPILOT unter wissenschaftspolitischen Gesichtspunkten notwendig, wünschenswert und vertretbar ist.”

Der Senat empfiehlt weiterhin, die inhaltliche Integration des Bonner Fächerspektrums (Ernährung, Agrarwissenschaft und Umwelt) in die ZB MED noch stärker voranzubringen. Es ist insbesondere zu klären, wie die spezifische Fächer- und Themenkombination der beiden Standorte zu einer besseren inhaltlichen und methodischen Profilierung der Gesamtbibliothek beitragen kann.”

“Als Grundlage für die Entwicklung einer übergeordneten Gesamtstrategie wird empfohlen, systematische, belastbare und überregionale Bedarfs-, Nutzungs- und Zielgruppenanalysen durchzuführen, die eine klare Zuordnung der Dienstleistungsangebote zu eindeutig identifizierten Zielgruppen erlauben. Diese Analysen sind auch wichtig, um das Marketing adressatenspezifisch ausrichten zu können.”

“Ferner sollten die Kooperationen mit Hochschulen deutlich intensiviert werden, um die Gestaltungsmöglichkeiten im Bereich der angewandten Forschungs- und Entwicklungsarbeiten zu vergrößern. Die wertvollen Datenressourcen der ZB MED liefern eine viel versprechende Basis für innovative informationswissenschaftliche Arbeitsfelder, werden aber dafür bisher kaum genutzt. Insbesondere sollte eine regionale Kooperationsstrategie erarbeitet werden, auf deren Grundlage systematische Verbindungen zu den Hochschulen und außeruniversitären Einrichtungen im Großraum Köln/Bonn gepflegt werden können. Das wissenschaftliche bzw. leitende Personal sollte stärker universitär integriert werden. Die Position des Leiters bzw. der Leiterin der ZB MED sollte zukünftig im Rahmen einer gemeinsamen Berufung mit einer Hochschule besetzt werden. Dies würde sich auch positiv auf die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses auswirken.”

“Der Direktor der ZB MED organisiert die Bearbeitung und Modernisierung des klassischen Kerngeschäfts sehr gut. Die ZB MED profitiert auch sehr von der hohen Kompetenz in den fünf Dezernaten. Bei der Entwicklung der übergeordneten Gesamtstrategie einschließlich des Forschungskonzepts sollten diese Kompetenzen intensiv einbezogen werden. Es ist sicher zu stellen, dass die Direktion der ZB MED um informationswissenschaftliche Expertise erweitert und diese langfristig gesichert wird.”

“Um der ZB MED die für ihre Weiterentwicklung notwendige Autonomie und Gestaltungsfreiheit zu geben, wird empfohlen, sie in eine rechtlich selbstständige Institution zu überführen, so wie dies für Leibniz-Einrichtungen üblich ist. Dabei sollte dem Aufsichtsgremium die für Leibniz-Einrichtungen vorgesehenen Rechte und Pflichten in Bezug auf Beschlüsse zu Fragen von forschungs- und wissenschaftspolitischer Bedeutung, mit erheblichen finanziellen Auswirkungen oder in Bezug auf das Leitungspersonal der Einrichtung vollständig übertragen werden. Außerdem sollte das Aufsichtsgremium auch für die Berufung der Mitglieder des Fachbeirats verantwortlich sein.”

Zusammenfassung:

“Aufgrund ihrer deutschlandweit einzigartigen Bestände und Dienste, die in ihrer auf die Fachgebiete der ZB MED fokussierten Vollständigkeit nicht von einer universitären Bibliothek angeboten werden können, erfüllt die ZB MED die Anforderungen, die an eine Einrichtung von überregionaler Bedeutung und gesamtstaatlichem wissenschaftspolitischen Interesse zu stellen sind.”

“Der Senat der Leibniz-Gemeinschaft empfiehlt Bund und Ländern, die ZB MED als Einrichtung, die in erheblichem Umfange wissenschaftliche Infrastrukturaufgaben wahrnimmt, auf der Grundlage der
Ausführungsvereinbarung WGL weiter zu fördern. Vor dem Hintergrund seiner Beurteilungen und Hinweise empfiehlt der Senat, die nächste Überprüfung der Fördervoraussetzungen durch Bund und Länder 2016 vorzusehen.”


Comments

1 Comment so far

  1. obst on March 15, 2012 5:38

    Glückwunsch. Gute Arbeit!

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