Frontalangriff auf Lehrbuchverlage

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Die Frage, die sich Autoren von LehrbÜchern rund um die Welt seit vorgestern stellen, lautet: „Wieviel sind 70% von 15 €?“ Und die Antwort ist einfach: Mehr, wesentlich mehr als sie pro Buch bei Thieme, Elsevier oder Springer je bekommen würden. Seit der Vorstellung von Apple’s iBooks2-App und der dazugehörigen, freien Authoring Software iBooks Author gehen die Twitter- und Kommentatorwellen im Internet hoch.

Meine Empfehlung:

Lieber Autor, wenn du gerade in Vertragsverhandlungen stehst: Pokere hoch! Lieber Verlag, wenn du gerade die 4.Auflage von xy herausbringst: Rechne mit selbstbewusster gewordenen Autoren. Liebe Bibliothek: Die Zeiten werden härter – so oder so.

Das erfolgreiche, proprietäre und geschlossene Ökosystem Apple – Apps – iOS bekommt die Erweiterung iPad – Lehrbuch. Und wird damit zum (gefährlichsten?) Gegenspieler eines anderen Ökosystems: Verlag – Lehrbuch – Bibliothek.

6 comments for “Frontalangriff auf Lehrbuchverlage

  1. 21. Januar 2012 at 8:32

    Gute Frage und gute Antwort – es bleibt spannend wie die DTP Renaissance das WYSIWYG die eBook Macher beeinflussen wird … http://oyen.posterous.com/renaissance-apple-ibooks-author-wysiwyg-wie-f

  2. CH
    22. Januar 2012 at 10:19

    Ein Kampf mit offenem Ausgang und einem sicheren Verlierer: jedem Leser, der sich nicht in den Apple-Kosmos begeben kann oder will. Ich hoffe ernsthaft, dass Apple endlich mal mit einem proprietären Format auf die Nase fällt.

  3. ob
    23. Januar 2012 at 11:05

    Christian, danke für Kommentar und Blogbeitrag: Ein paar Links zu iBooks. Auch ich bin ein leidenschaftlicher Anhänger von Open Anything. Punkt. Ich frage mich aber, was uns (Bibliotheken und ihre Nutzer) weiterbringt. Und wo die Reise bei den Lehrbüchern hingeht. Denn Lernen/Lehrbücher sind nunmal unser Alleinstellungsmerkmal (eines? das letzte?).

    Dass es eine Alternative zu gedruckten Büchern gibt, wissen wir schon seit zehn Jahren. Dass diese Alternative *besser* zum Lernen als gedruckte Bücher sein kann, erleben wir zur Zeit. Spannend! Ich experimentiere mit allem, was sich da auftut, seien es Open Textbooks, PDFs, Examen Online oder jetzt halt iBooks2. Aber interessanterweise kommt in diesem Bereich alles Gute von kommerziellen Anbietern. Kauf oder Stirb heißt da die Devise. Ich habe noch keinen Studenten gesehen, der mit einem Wikipedia-Lehrbuch lernt.

    Apple’s iBooks Author könnte(!) hier wirklich die in Zement gegossene, versteinerte Kette Fachbuchautor – Fachbuchverlag – Buchhandlung – Leser (Bibliothek) aufbrechen, indem es Lehrbuchautoren ein attraktives Geschäftsmodell bietet.

    Die Bibliothek könnte dann als Man-in-the-Middle durch Verleih von iBooks auf iPads diesen (alternativen) Lehrbüchern zum Durchbruch verhelfen (wie früher?).

    Ich möchte jetzt nicht die Frage stellen, was die Bibliothek von Open Access hat 🙂 , aber ich sehe zur Zeit keine Alternative zu diesen Formaten, eins so proprietär wie das andere.

  4. ob
    23. Januar 2012 at 11:06

    @Jörg: Gibt es eine gute Beschreibung des Publishing Market Overview?

  5. CH
    15. Februar 2012 at 1:05

    (Besser spät als nie… ;o)

    Lehrbücher sollten m.E. zwar OA sein, müssen es aber nicht unbedingt. Warum sollen Verlage oder andere kommerzielle Anbieter kein Geschäft daraus machen, Mehrwert anzubieten? Ich sehe das Profitstreben Apples daher gar nicht so kritisch. Eher das Bestreben, alles in einem geschlossenen Kosmos zu halten.

    Ich möchte Studenten nicht erklären müssen, dass sie sich einen anderen Laptop kaufen oder sich bei iTunes anmelden müssen, um bestimmte Inhalte konsumieren zu können.

    Das Problem der Systemgebundenheit haben wir eh schon viel zu oft. Ein prominentes Beispiel ist Citavi.

    Je mehr Apple in seinen Inhaltskosmos zieht, desto schädlicher für den freien Wissensaustausch. Apple hat ganz offensichtlich überhaupt kein Interesse daran, sich gegenüber anderen Plattformen zu öffnen.

  6. obst
    28. Februar 2012 at 10:10

    Was die Anbieter wieder dazu zwingt, ihre Inhalte auf alle Plattformen zu portieren. Diese Arbeit können sich wohl nur die Großen leisten. Oder es gibt irgendwann mal einen webbasierten MultiTouchBook-Standard…

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