Open Access: Nature reduziert Preis von EMBO Journal und EMBO Reports

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Open Access uptake prompts 9% price reduction for The EMBO Journal and EMBO reports:

Prices for site licence access to The EMBO Journal and EMBO reports will be reduced by 9% in 2010, reflecting the increased publication of Open Access content in 2008. Nature Publishing Group (NPG) and the European Molecular Biology Organisation (EMBO) announced the decision today, following ratification by the EMBO Council.

We’ve taken into account all of the relevant data in reaching this decision, including the number of Open Access articles published in 2008,“ said David Hoole, Head of Content Licensing, NPG. „This change reflects the recent growth in the amount of Open Access content in both journals and the corresponding partial coverage of publication costs by author charges.“

For the 2010 subscription year, there will be a 9% reduction on the 2009 site licence list price. This reduction is net of an annual inflationary price increase. Print and personal subscription prices are unaffected.

„We are delighted to be able to offer real savings to our library customers, based on the hybrid business model,“ said David Hoole in a letter to customers. „We hope this helps ease some of the pressure on library budgets, while increasing access to the academic literature.“

Soll ich jetzt laut Hurra! schreien?

5 comments for “Open Access: Nature reduziert Preis von EMBO Journal und EMBO Reports

  1. B.-C. Kämper
    13. November 2009 at 11:51

    Nein, sicher nicht. Vgl. meinen Kommentar auf lis-e-resources (http://is.gd/4TZHL) und liblicense-l. Vgl. auch meine Analyse vom Oktober unter dem Titel

    Hybrid Journal pricing (II): when and by how much will we see EMBO prices decrease?
    http://is.gd/4svXf

  2. ob
    18. November 2009 at 10:04

    Danke für die wie immer umfassende Klarstellung aus Ihrer Feder. Nach alledem ist EMBO ein äußerst unrühmliches Modell für eine Flagschiff-Zeitschrift, die von ihrer Fachgesellschaft an einen hochkommerziellen Verleger verkauft wurde. Tatsächlich wurde der EMBO Chief Editor Les Grivell bereits 2004 auf dem Cologne Summit Open Access heftig wegen dieser Entscheidung kritisiert.

  3. B.-C. Kämper
    18. November 2009 at 10:58

    Besonders toll finde ich in diesem Zusammenhang die Art, wie die NPG mit Kritik umgeht, die von Mitgliedern des NPG Library Committee kommt und wie auf dem geschlossenen Library Committee Group auf Nature Networks auf konkrete Nachfragen und Bitten um Erläuterungen reagiert wird. Die NPG hat es nicht für nötig gehalten, auch nur auf eine dieser Nachfragen zu antworten, es gilt offenbar die Devise „Hinhalten und Totschweigen“. Genauso Les Grivell (EMBO): „I will indeed give a more detailed answer to the points you raise later…“ (18.09.) „… EMBO and NPG are currently engaged in discussions about journal pricing policies and their impact on various stakeholders in the publication process. Needless to say, we will respond both to you and to the wider community of authors / subscribers to the NPG-published EMBO titles as soon as possible thereafter.“ Es gab bis heute keine Antwort, weder persönlich noch öffentlich, nur eine allen kritischen Fragen aus dem Weg gehende offizielle Verlautbarung.

    Wenn wir nicht durch Offenlegung der Zahlen so massiv Druck aufgebaut hätten, wäre es vermutlich nicht einmal zu der jetzigen 9%igen Preissenkung gekommen; die NPG hätte das ganze am liebsten nur rein theoretisch erörtert ohne Bezug auf einen konkreten Fall und konkrete Zahlen und hat es zu keinem Zeitpunkt für nötig gehalten, die Karten auf den Tisch zu legen.

  4. ob
    19. November 2009 at 10:01

    Machen wir uns doch nichts vor, Herr Kämper: EMBO ist nur die Spitze des Eisbergs, der jetzt einmal durch Ihre hartnäckigen Recherchen/Rechnungen ans Tageslicht gekommen ist. Aber für hunderte, vielleicht tausende Zeitschriften anderer Fachgesellschaften gilt genau das gleiche. Ich möchte dabei den jeweiligen Editoren keine böse Absicht unterstellen, im Gegenteil: Sie tun bestimmt für ihre Fachgesellschaft das Beste, haben weniger Arbeit, und die Zeitschrift ist wahrscheinlich als Teil von NPG wirtschaftlich besser aufgestellt. Ob es auch für die Autoren/Leser des Fachgebietes eine Verbesserung ist, kann ich nicht beurteilen, bezweifele es aber nach ihrer Darstellung. Die Nature-typische hohe Ablehnungsquote von Manuskripts zusammen mit nicht-wissenschaftlich arbeitenden Editoren und einem steten Schielen auf massenmedientaugliche Forschungshighlights sprechen meines Erachtens gegen eine Stärkung bzw. Vertretung des Fachgebietes, wie es EMBO jahrzehntelang praktizierte.

    <aerger on>
    Aber die eigentliche Krux liegt darin, dass NPG und Grivell und Editoren Bibliotheken (und im weiteren Sinne die Bedürfnisse einer interessierten Öffentlichkeit) garnicht auf dem Schirm haben! Und wenn doch, rangieren diese Bedürfnisse an 4. oder 5. Stelle, weit hinter den eigenen – wie sagt man noch so schön – Partikularinteressen. Die interessiert es ja überhaupt nicht, ob der price pro page ihrer Zeitschrift jetzt 50 oder 500 cent beträgt – Hauptsache der Markt gibt das her! Und wenn 500 cent, dann umso besser für ihre Fachgesellschaft, Forschergruppe, Institution or wse. Hyperinflation von Zeitschriftenpreisen, flache Bibliotheksetats, Steuerzahler, Open Access – das alles braucht sie nicht zu interessieren, da sie ja das EMBO-Monopol haben und Bibliotheken so oder so ihre Zeitschrift kaufen müssen!
    </aerger off>

    Mir bleibt nur die Hoffnung, dass die Forscher selber aufwachen und diesen Kreislauf nicht mehr mitmachen. Die sinkenden Impact Faktoren könnten ein erstes Indiz dafür sein. Aber die sinken schon seit 2000 (verbunden mit einem Absturz von Rang 8 auf Rang 20 in Biochemistry & Molecular Biology), was einen anderen/zusätzlichen Grund nahelegt:

    embo

  5. B.-C. Kämper
    19. November 2009 at 8:12

    Ich bin ganz ihrer Meinung. Was ich allerdings schon frustrierend fand, war, dass ich in der Library Committee Group kaum Unterstützung von anderen Mitgliedern erhielt – sind die alle schon so resigniert, dass sie sagen, NPG kümmert eh nicht, was wir dazu sagen? Ebenso wundert mich, dass niemand aufschreit, dass jetzt auch die Publikationsgebühren im Oxford Open Programm massiv ansteigen.

    Die (zusätzlichen) Gründe für das Absinken der Impact-Faktoren bei EMBO würde mich auch interessieren. Ihr Hinweis auf den massiven Rückfall im Ranking ist aber interessant und besonders peinlich für EMBO, weil das Absinken der Impact-Faktoren per se noch nicht viel besagt, da das ein genereller Trend der letzten Jahre für viele Zeitschriften auf dem Gebiet zu sein scheint. Vgl. hierzu den aktuellen Beitrag zu Impact-Faktoren im Gebiet der Molekular- und Zellbiologie im Science Blog „The Seven Stones“ von EMBO Editor Thomas Lemberger, der zum Team des des EMBO/NPG Open Access Journals „Molecular Systems Biology“ gehört:

    http://blog-msb.embo.org/blog/2009/06/impact_factors_2008_1.html

    mit einer hübschen Visualisierung der Trends der zeitlichen Entwicklung der Impact-Faktoren seit 2004 in einer interaktiven Google Motion Chart.

    Auch Thomas Lemberger hat keine Erklärung für den auffälligen Abwärtstrend im Impact-Faktor bei vielen Zeitschriften seines Fachgebiets, liegt mit „Molecular Systems Biology“ aber offenbar im aktuellen Forschungstrend und zählt so zu den Gewinnern des Impactfaktor-Spiels.

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