„Facade Open Access Publishing“

Wie bereits an anderer Stelle geschrieben: Jedes Geschäftsmodell hat seine Betrugsmasche und die von Open Access scheint – leider – das Veröffentlichen von „fragwürdigen Thesen“ zu sein (mit lausigem Peer-Review – wenn überhaupt).

Jeffrey Beall, Bentham Open, The Charleston Advisor, July 2009

The Open Access model is a good one, for it makes research freely available to everyone. However, Bentham Open is exploiting the good will of those who established the Open Access model by twisting it and exploiting it for profit. Just because a journal is Open Access doesn’t make it legitimate or high quality.

(via Open Access News)

Bitte achten Sie insbesondere auf den Absatz über die vielschichtige „Werbung“ von Bibliotheken für Bentham. Und wieder meine Frage: Haben wir hier unsere Sorgfaltspflicht verletzt? Hätten wir offensiver auf die Qualität der Publikationen achten müssen (wenn Google dies schon nicht tut)?

Im einem schiesst Beall allerdings für meinen Geschmack über das Ziel hinaus, wenn er resümiert, dass dieser Mißbrauch …

offer a new perspective on the high subscription costs of journals published by companies like Reed Elsevier. Perhaps the consistent high quality their journals bring justifies the high subscription prices after all. Given the increasing number of Open Access STM journals, scholars need a reliable means of finding only the research worth reading.

Ich darf nur daran erinnern, dass es Fachgesellschaften schaffen hochqualitative Zeitschriften zu publizieren – für ein Zehntel des Elsevier-Preises und ohne an der Preisspirale zu drehen.

5 comments for “„Facade Open Access Publishing“

  1. 14. September 2009 at 1:30

    Traurig, daß man immer wieder lesen muß, Open Access wäre ein „Geschäftsmodell“. Das ist nämlich nicht der Fall: Sowohl bei Open-Acess- als auch bei traditionellen Zeitschriften gibt es zahlreiche verschiedene Geschäftsmodelle. Das „Author Pays“-Modell, um das es hier geht, wird auch bei vielen Subskriptionszeitschriften als zusätzliche Einnahmequelle verwendet.

  2. ob
    14. September 2009 at 1:51

    Bitte keine Haarspaltereien! Im vorliegenden Fall weiß doch jeder, was gemeint ist. Wobei man trefflich darüber streiten könnte, welche – erfolgreichen! – Geschäftsmodelle es bei Open Access geben soll außer Author-Pays oder Institution-Pays. Springer hat ja schließlich Biomed Central aufgekauft und nicht irgendwelche werbefinanzierten, quersubventionierten oder sich selbst ausbeutenden Open Access Verleger.

  3. 15. September 2009 at 9:02

    Da bin ich mir eben nicht so sicher, ob jeder weiß was gemeint ist. Viel zu oft wird der Open-Access-Gedanke mit Argumenten angegriffen, die eigentlich generelle Probleme des wissenschaftlichen Publikationsbetriebs betreffen. Jeffrey Beall jedenfalls spricht in seinem Text präzise von den Problemen des Peer Review bei Author-Pays-finanzierten Zeitschriften im Allgemeinen und den Bentham-Open-Zeitschriften im Speziellen.

    Mit „erfolgreich“ meinen Sie wahrscheinlich „kommerziell erfolgreich“. Wie man mit einem Open-Access-Verlag Geld machen kann, interessiert mich als Bibliothekar allerdings eher weniger. Tatsache ist, daß die meisten Open-Access-Zeitschriften auch ohne Artikelgebühren funktionieren.

  4. ob
    15. September 2009 at 11:30

    Wenn man mit einem Open-Access-Verlag Geld machen kann, wäre das genial für den nachhaltigen Erfolg von Open Access. Wenn es auf immer und ewig ein Zuschußgeschäft bleibt, wird es IMHO keine Zukunft haben. Selbst wenn mächtige Parlamente und Forschungsförderer Open Access unterstützen, kommt dabei zur Zeit nur irgendein Krüppel-OA mit Embargozeiten heraus, da eben – kommerzielle – Rücksichten genommen werden müssen.

    Wenn die meisten Open-Access-Zeitschriften auch ohne Artikelgebühren funktionieren, wundert mich, warum die noch nicht in den Impact Listen auftauchen.

  5. 15. September 2009 at 3:18

    Mit Ausnahme einiger weniger Bereiche, in denen vermarktbare Patente produziert werden, ist der gesamte Wissenschaftsbetrieb ein Zuschußgeschäft.

    Was das weitgehende Fehlen von OA-Zeitschriften im Web of Science (ich vermute, das meinen Sie mit „Impact Listen“) angeht, so liegt das vor allem an der relativen Neuheit der meisten dieser Zeitschriften, und der Zögerlichkeit der Autoren, in diesen zu publizieren.

Comments are closed.