Besonders anfällig für Forschungsmanipulation: Die Medizin

Florian Rötzer schreibt in Wie ehrlich sind Wissenschaftler? (02.06.2009 in Telepolis) über eine Plos One-Studie, die nahelegt, dass Wissenschaftler bei ihren Veröffentlichungen wahrscheinlich öfter die Daten manipulieren, als man meinen würde:

Betrügereien oder Fälschungen sind demnach gar nicht so selten, besonders anfällig ist dafür, wenig überraschend, die medizinische und pharmazeutische Forschung. Die bekannt gewordenen Fälle sind vermutlich nur die Spitze des Eisbergs.

Durchschnittlich gaben 1,97 Prozent der Wissenschaftler zu, dass sie zumindest einmal Daten verändert oder fabriziert hatten, um das Ergebnis ihrer Studie zu verbessern oder die Ergebnisse den Anforderungen des Geldgebers anzupassen. 33,7 Prozent räumten ein, dass sie andere fragwürdige Tricks eingesetzt haben, beispielsweise Informationen zu verschweigen, die den eigenen Ergebnissen widersprechen, oder Beobachtungen oder Daten nicht einzubeziehen, weil die Wissenschaftler das Gefühl hatten, dass sich nicht richtig sein können.

Aber jetzt kommt’s:

Wenn es um die Kollegen geht, sind die Wissenschaftler freimütiger (oder misstrauischer?). 14 Prozent sagen, sie würden einen Kollegen kennen, der Daten fabriziert, verändert oder verfälscht hat, bei anderen fragwürdigen Schummeleien sagen dies sogar 72 Prozent.

2 comments for “Besonders anfällig für Forschungsmanipulation: Die Medizin

  1. 8. Juni 2009 at 11:41

    Ja, ja, da sind die „Gutmenschen“ wieder in ihrem Element,
    verbunden mit einem erheblichen Neidkomplex insbesondere bzgl. der Mediziner: a l l e (auch die Gutmenschen!) schummeln, wenn sie dadurch einen Vorteil erreichen können, von ein wenig schummeln bis zu komplett fälschen hat es doch alles schon gegeben – und wird es weiterhin geben. Der alte Mendel hat geschummelt und viele andere berühmte Wissenschaftler: das ist menschlich, vor allem, wenn der Job davon abhängt und die Karriere. Alle wissenschaftlichen Ergebnisse müssen reproduzierbar und wiederholbar sein, sonst sind sie per se verdächtig. Das wissen die Wissenschaftler, die Laien aber wundern sich. Ich finde ja, so lange die Wissenschaftler noch nicht so viel fälschen wie die Politiker, haben wir noch Hoffnung.

  2. ob
    8. Juni 2009 at 11:53

    Jetzt müßten wir nur noch ausdiskutieren, was schädlicher ist: Wenn Mediziner lügen oder Politiker? Bei Politikern ist man ja drauf eingestellt, aber ein Medikament zu kriegen, das gar nicht wirkt … oder einen umbringt …? Immerhin bringen Politiker (jedenfalls die hier aus dem Westen) keinen direkt um …

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