Open Access – erklärt

**in Bearbeitung**

Ich versuche gerade Klarheit über die verschiedenen Formen von Open Access zu bekommen. Meines Erachtens gibt es drei Arten:

  • Libre OA: Wirklich frei und ganz frei, Public Domain oder ein Copyright, das nach der Bethesda-Definition auch Verwertungen wie Übersetzungen oder Text-Mining erlaubt. (Beispiel: BioMed Central, Springer Open Choice, Hochschulschriftenserver, etc)
  • Gratis OA: Frei verfügbar, aber das Copyright verhindert Nachnutzungen (freie Angebote von Nature
  • Illegal Accidental OA: Ins Internet gestellte und dort frei verfügbare Manuskripte und PDFs, obwohl das Copyright beim Verlag liegt und/oder der Verlag dies nicht erlaubt

Folgende Fragen stellen sich mir noch (in Bearbeitung):

  • Fragen der Archivierung können alle drei (am ehesten wohl die ersten beiden Arten) betreffen: So archiviert PubMedCentral sowohl 1 als auch 2.
  • In direktem Zusammenhang damit: Welche Arten von OA sind immer OA, d.h. stehen dauerhaft zur Verfügung? (z.B. Mission Statement von BioMed Central, das bei einem Verkauf dem Käufer das „Sorgerecht“ für OA überträgt)

Todo: Belege finden, Links einpflegen

3 comments for “Open Access – erklärt

  1. CH
    6. Mai 2009 at 9:39

    „Illegal OA“ würde ich nicht als Bezeichnung akzeptieren wollen. Diese Definition von OA ist zu sehr aus Benutzersicht gedacht. OA ist m.E. eine Vereinbarung zwischen Autor und Leser, die auf Freiwilligkeit beruht. In der Berliner Erklärung wird explizit geschrieben:

    Die Urheber und die Rechteinhaber solcher Veröffentlichungen gewähren allen Nutzern unwiderruflich das freie, weltweite Zugangsrecht zu diesen Veröffentlichungen und erlauben ihnen, diese Veröffentlichungen – in jedem beliebigen digitalen Medium und für jeden verantwortbaren Zweck – zu kopieren, zu nutzen, zu verbreiten, zu übertragen und öffentlich wiederzugeben sowie Bearbeitungen davon zu erstellen und zu verbreiten, sofern die Urheberschaft korrekt angegeben wird

    Hervorhebung von mir. Aktiv sind die Urheber. Eine Nutzung, die auf ähnlichen Verteilungsmechanismen beruht, aber die Freiwilligkeit der Urheber übergeht, sollte nicht Open Access genannt werden, wie es übrigens zur Zeit in vielen Zeitungen in Folge des Heidelberger Appells geschieht.

    Zur letzten Frage: Welche Arten von OA sind immer OA, d.h. stehen dauerhaft zur Verfügung?

    Ist die Nachnutzung und Weiterverbreitung erlaubt, dann handelt es sich um OA und das Werk ist zumindest potentiell dauerhaft verfügbar. Wenn sich denn jemand um die Archivierung kümmert. Oder habe ich die Frage falsch verstanden?

  2. kg
    11. Mai 2009 at 2:43

    So ist das noch nichts.

    Man kann nicht libre/gratis durch eine beliebige dritte Kategorie ergänzen nach dem Motto 1,2, 15

    Libre meint Nachnutzungsmöglichkeiten und bezieht sich üblicherweise auf CC-BY oder andere CC-Lizenzen.

    Ich empfehle dazu am einfachsten nochmal die Berlin Declaration ganz und gründlich durchzulesen. In ihr wird auch die dauerhafte Zugänglichkeit und die Interoperabilität (OAI) angesprochen.

    Üblicherweise werden Embargo-Zeitschriften nicht zu OA gezählt, obwohl sie nach dem Embargo gratis zugänglich sind.

    Geht eine OA-Zeitschrift ein oder wird sie TA, bestimmt sich die weitere Zugänglichkeit der Artikel a) nach getroffenen Vereinbarungen (mit Archivierungsdiensten wie LOCKSS) und b) nach der libre-Option, falls vorhanden. Und natürlich ggf. nach der kurzfristigen Realisierbarkeit von a) und b). Artikel können in Repositorien gespiegelt werden, wenn mindestens CC-BY-NC-ND vorliegt. (Den Sammelwerkschutz nach deutschem Recht klammern wir mal ebenso aus wie den Typographieschutz nach britischem.)

    Soweit sich OA auf die Zeitschrift bezieht, kann man nur hoffen, dass es keine solchen Rückschritte geben wird. Es gibt kein in der OA-Community anerkanntes Kriterium für Zeitschriften wie „Immer-OA“. Auf Dokumentebene soll die Einstellung in ein (hoffentlich langfristiges, in D von der DNB gespiegeltes) Repositorium (grüner Weg).

    Gratis-Einsehbarkeit besteht auch bei Publikationen auf der eigenen Homepage, in Scribd, Diplomarbeitswebsites usw. Man spricht hier mitunter vom „grauen Weg“
    http://open-access.net/?id=169

    Wie man bei Geocities sieht, endet die Verfügbarkeit nicht notwendigerweise mit dem Tod des Wissenschaftlers oder seinem Wechsel an eine andere Uni, sondern schon früher. Ist ein solcher Beitrag libre getaggt, gilt das gleiche wie bei der Zeitschrift: er kann gespiegelt und damit „für die Nachwelt“ gerettet werden.

    Beim goldenen Weg der ZSS ist die Langzeitverfügbarkeit eine Wette mit unbekanntem Ausgang; beim grünen Weg sieht es etwas besser aus. Libre hilft in jedem Fall auf Dokumentebene, wenn es jemand gibt, der zu spiegeln bereit ist.

    Alle Klarheiten beseitigt?

  3. ob
    11. Mai 2009 at 3:05

    Ja, danke, Herr Graf, dass Sie ein bisschen Klarheit in die Materie bringen. Das Problem ist wohl die Bezeichnung/Definition „Open Access“. Ich hatte anläßlich eines Vortrags mal ausgerechnet, das 5% aller benutzten Literatur hier an der Fakultät „reines“ Open Access (nach der Bethesda-Definition) ist, und weitere 10% frei zur Verfügung stehen würden (Folie 11). Als Bemerkung tauchte dann auf: „Diese 10% sind doch auch Open Access?!“

Comments are closed.