The Future of Reading

Was macht ein Mobiltelefon so erfolgreich? Man hat es immer dabei. Auch ein Buch kann man immer dabei haben. Mit ein Grund, warum der iPhone als Kombination aus Mobiltelefon und Buch so unschlagbar ist, was „Trapped in the USA“ nun dazu bewogen hat in The Future of Reading ein Hochlied auf diesen Informationsknecht zu singen. Diesem Chor will ich nun gerne beitreten. Seit ich einen iPhone benutze, habe ich alle meine PDAs weggeschmissen. Kinderkram – immer an der Grenze zum richtig Praktischen, aber nie wirklich praktisch. Der iPhone hingegen ist nicht nur absolut praktisch, sondern es macht auch noch Spaß ihn zu benutzen. Aber das ist nur die Basis, sozusagen eine notwendige Grundvoraussetzung. Auf dieser soliden Basis bietet der iPhone neben den üblichen Organizerfunktionen einfach alles, was man braucht, um wirklich uptodate zu sein: Telefon, Internet, Email, SMS, GPS, Kamera, Audio- und Videoplayer, Podcasts. Alles andere läßt sich über den App Store unkompliziert (und oft kostenlos) nachrüsten: RSS-Reader, Chat (u.a. Skype), Google Tools (Highlight ist die Spracherkennung), Fahrpläne des ÖPNV und der DB/SBB, Web2.0-Anwendungen (z.B. Facebook, Blog schreiben), GPS-Tracker, Telefonbuch, Tank-Buch, Körperfett-Buch, Genealogie, Musikerkennung (Shazam!) und und und. Spiele gibt es auch en mass wie z.B. Labyrinth LE, mit dem man die Bewegungssensoren des iPhone so wunderbar demonstrieren kann.

Doch kehren wir zurück zum bibliothekarisch Wertvollen und Relevanten. Und hier stehen neuerdings Studenten in meinem Büro, die mit ihrem iPhone oder iPod Touch auf unsere Online-Lehrbücher zugreifen wollen. The Future of Reading ist im „allzeit bereit“ begründet. Dank iPhone und Konsorten kann ich die Bibliothek tatsächlich in der Westentasche mitnehmen und jederzeit lesen. Dank des genialen Safari-Browsers zur Bibliothekshomepage gesurft, auf das E-Book geklickt, den iPhone um 90 Grad gekippt und – voila! – hunderte Bücher stehen mir in guter Lesequalität zur Verfügung. Mit Programmen wie Air Sharing lassen sich Inhalte auch auf’s iPhone kopieren und so offline nutzen. 16GB Speicherplatz reichen für 5.000 Musikstücke oder 30 Kinofilme oder eben auch für 3.000 Online-Bücher.

Wie stellen wir uns hier auf? Wir mussten gerade unser ambitioniertes PDA-Projekt sang- und klanglos einstellen – nicht aus Mangel an Nachfrage, sondern aus Mangel an Anbietern: Rote Liste, Herold, Arzneimittelpocket, UpToDate, DDInnere – Alle schielen mit Macht auf den Endnutzerarzt, statt Bibliotheks- gibt es nur Einzellizenzen. So beschleicht mich die leise Ahnung, dass es woanders lang geht: Nicht mehr das Angebot (bzw. das Verschenken) von Programmen zur Installation auf dem Benutzer-PDA – das machen wir ja auch mit Büchern nicht. Sondern den Zugang zu unseren „normalen“ Onlineangeboten iPhone-tauglich gestalten. Da man mit der Datenflatrate sowieso immer online ist, verwischen die Unterschiede zwischen Online- und Offline-Angeboten immer mehr. Gibt’s kein Funkloch und ist der Zugang halbwegs vernünftig, dann ist das Online-Telefonbuch genauso schnell wie eine Offline-Telefonliste. Nach dem großen Vorbild aus Yale basteln wir deshalb gerade an einer speziell zugeschnittenen Homepage für den iPhone (und alle anderen Smartphones).

Und viele Anbieter (wie z.B. UpToDate oder PubMed) bieten ebenfalls eigene Webseiten, CSS und Skripte für „kleine“ Bildschirme an – und heute verlautbarte, dass endlich auch Flash folgen soll. Die Faszination bzw. das Bedürfnis, alles dabei zu haben, immer seine kleine Wissensmaschine (Eric Lease Morgan’s „Mister D“) befragen zu können, ist so groß, dass demnächst jederman mit so einem Dingelchen rumlaufen wird, und erwarten wird, dass er damit nicht nur in Kontakt mit seiner Bibliothek sondern auch in Kontakt mit ihrem Wissen treten kann. Bücher, Musik, Videos, Datenbanken, Auskunft. Sprechen, Hören, Sehen, Lesen, Suchen, Schreiben, Chatten. Wir sollten uns rechtzeitig darauf einstellen und passende Angebote vorhalten.

7 comments for “The Future of Reading

  1. 3. Februar 2009 at 7:53

    Es dauert wahrscheinlich nur noch 1 – 3 Jahre, bis wir so etwas auch bei uns haben: Katalog auf dem iPhone und iTouch. Wobei es doch „das“ iPhone heisst?!

  2. ob
    4. Februar 2009 at 3:10

    Oh, das Posting habe ich total übersehen, obwohl ich netbib wie ein Luchs verfolge. Bastelt ihr an etwas ähnlichem?

  3. 5. Februar 2009 at 9:14

    Nein, wir basteln (noch) nicht. Allerdings ist die Idee natürlich gut und es sollte auch nicht so schwierig sein, zumindest iPhone optimierte Seiten zur Verfügung zu stellen…

  4. 19. Februar 2009 at 12:50

    Ich würde keinesfalls auf ein einzelne Produkt hin optimieren (warum sollte man Apple mit öffentl. Geld diesen Gefallen tun und damit andere User benachteiligen?)

  5. ob
    22. Februar 2009 at 1:25

    Gute Frage. Antwort 1: Vielleicht zieht man aus der Entwicklung proprietärer Anwendungen etwas Nutzen für die generelle Usability solcher Host/Client-Systeme. Antwort 2: Der iPhone legt durch seine enorme Benutzungsfreundlichkeit so etwas wie die Spur für andere Smarties. Antwort 3: Ja, wir (und die Uni) basteln an einer Webseite, die generell an kleine Displays angepasst ist, nicht nur an den iPhone.

  6. 26. Februar 2009 at 2:25

    Nachtrag: auf iPhones kann man Software nur verteilen, wenn man die mind. 99$/Jahr Entwicklerlizenz hat, freier Zugang ist nicht! Ich würde aus prinzipiellen Gründen keine proprietäre Plattform bauen (auch wenn das iPhone ein geiles Teil ist – aber mal schaun, was Palm demnächst liefert…)

  7. ob
    26. Februar 2009 at 6:29

    Wenn ich daran denke, dass ich schon seit 2 Jahren so ein Teil hätte haben können! Ok, die Anwendungen im Apple Store gibt’s erst seit kurzem.

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