Der Bentham-Fall: Open Access und seine Kinder

Nur kurz: Bentham Science Publishers (ohne bekannten Eigentümer), ist in letzter Zeit durch Spam aufgefallen, die Autoren und Editoren für 300 neue(!) Open Access Zeitschriften einsammeln sollte. Einige sind drauf reingefallen und kommen jetzt von den – illustren? – Editorial Boards nicht mehr runter. Ausgelöst duch Gunther Eysenbach hat der bekannte Interviewer Richard Poynder es in hartnäckiger Kleinarbeit geschafft, den Editorial Director Matthew Honan ans Telefon zu bekommen (Tenor: „Alles nicht wahr“).

Bentham ist mir auch deswegen aufgefallen, weil es im März eine Anfrage zu einem Testangebot an die NRW-Bibliotheken gab. Das Spannende an diesem Fall ist, dass offensichtlich jedes Geschäftsmodell seine Betrüger hat. Jede neue Möglichkeit, Geld zu verdienen (und die Verknüpfung von publikationssüchtigen Forschern und kostenpflichtigem Open Access ist definitiv eine glänzende Geschäftsidee), zieht ihr spezifisches Betrugsmodell nach sich. Und so wird Bentham nicht der letzte gewesen sein (Scientific Journals International stehen auch in der Kritik), komisch nur, dass es solange gedauert hat, bis das OA-Modell ausgenutzt wurde…

Wobei – fällt mir gerade ein: Wer spricht hier von Betrug? Jeder hat doch das bekommen, was er wollte: Der Verlag die Autorengebühr, der Autor die Publikation. Nach Nigeria, Viagra, Flirtumdieecke und Phishing sollte doch jeder wissen, dass die Mail in der Box wie die Katze im Sack ist …

Trifft uns Bibliothekare hier vielleicht eine Mitschuld? Haben wir nicht in den vergangenen Jahren unseren Wissenschaftlern immer und immer wieder – gebetsmühlenartig – vorgekaut, ja vorgeworfen, nur um Himmels willen alles unter Open Access zu publizieren, das fördert die Wissenschaft und bringt ganz tolle Zitationsraten??

2 comments for “Der Bentham-Fall: Open Access und seine Kinder

  1. kg
    25. April 2008 at 5:49

    Ich wusste immer, dass Obst irgendwann zu Fallobst wird und diese ganze Open-Access-Heuchelei beim ersten Windhauch der üblichen bibliothekarischen Borniertheit weicht. Open Access wird nicht dadurch falsch, dass es Open Access-Betrüger gibt, so wie Online-Banking nicht durch Phishing widerlegt wird.

    Gebetsmühlenhaft wiederholen wir: Unseriöse Geschäftemacher können sich vor allem das Author-Pays-Modell zunutzemachen. Entgegen eines verbreiteten Vorurteils haben über 50 % der OA-Zeitschriften ein ANDERES Geschäftsmodell.

    Siehe auch:
    http://archiv.twoday.net/stories/4840336/

  2. ob
    28. April 2008 at 12:27

    Ja stimmt, wir Bibliothekare sollten konkret benennen können, welche OA-Verleger und welche OA-Zeitschriften empfehlenswert sind.

Comments are closed.