subito wird heftig kritisiert – distanziert sich nun auch der DBV?

Gestern kam eine Heise Online-Meldung zur Online-Fernleihe via Subito nur noch mit digitalen Fesseln mit Zitaten von Harald Müller, der bereits 2004 bei der AGMB einen Vortrag zu dem Thema gehalten hatte.

Der Lieferdienst habe sich mit seiner falschen Auslegung der Urheberrechtsnovelle „über den Tisch ziehen lassen“ von den Verlagen und deren Lobby, dem Börsenverein des deutschen Buchhandels, wettert Harald Müller, Direktor der Bibliothek des Max-Planck-Instituts für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht in Heidelberg. Der gegenüber der Öffentlichkeit bislang weitgehend verborgen gehaltene „Knebelvertrag“ sei „katastrophal“ für die Nutzer wissenschaftlicher Informationsdienste und „sabotiere bewusst den Willen des Gesetzgebers“.

Einem Studenten, der durchschnittlich fünf Euro pro Tag für Essen und Trinken ausgebe, darf laut Müller für eine Kopie geistiger Nahrung auf keinen Fall mehr abgeknöpft werden als sein Tagespensum für Aufwendungen gegen Hunger und Durst hergebe. Der Deutsche Bibliotheksverband (DBV) will sich dem Vernehmen nach vom Treiben Subitos distanzieren. Es gebe derzeit keine Notwendigkeit, aufgrund des neuen Urheberrechts Verträge mit irgendwelchen Parteien für den Kopienversand abzuschließen.

In den Heise-Kommentaren wird nicht nur der geballte Frust der (bisherigen) subito-Nutzer sichtbar, sondern auch eine gewisse Enttäuschung darüber, wieso ein so gutes und funktionierendes System wie subito nun gegen die Wand fährt.

Dazu der passende Spruch von Peter Suber: When compliance with copyright law undermines the purpose of copyright law.

3 comments for “subito wird heftig kritisiert – distanziert sich nun auch der DBV?

  1. Korwitz
    25. Februar 2008 at 3:35

    Die Strategie von subito muss ich erneut heftig unterstützen:
    Ohne einen Vertrag mit den Verlagen wäre es bei einer reinen Post- oder Telefaxlieferung geblieben. So kann nun per e-mail geliefert werden – und genau das wollen die Kunden wieder – , wenn auch zu etwas höheren Preisen und mit DRM-Beschränkungen. Und nochmals: die Verlage haben die Rechte, auch die des Verkaufs ihrer Produkte und der Konditionen dafür. Der Gesetzgeber hat genau dies bestärkt, ob es uns passt oder nicht.
    Alles andere ist Spekulation: was bedeutet „offensichtlich“, was „angemessener Preis“? Diejenigen, die hier zugunsten der Bibliotheken juristisch interpretieren, sollen sich zu Klagen bereit finden. subito ist dies nicht.

  2. duda
    25. Februar 2008 at 9:44

    subito-kundengruppe 1c: wenn ich das richtig sehe, kostet ein zeitschriftenartikel per download bei thieme-connect 25 $ (~ 18,20 € einschl. mwst.), eine eilbestellung bei subito hingegen 30,33 € (10 € grundpreis + 19 € lizenz + 1,33 € mwst).
    warum soll ich also ein härter als bei thieme geschütztes *gescanntes* dokument bei subito für 12 € mehr bei i.d.r. längerer lieferzeit bestellen?
    oder sehe ich da was falsch? für aufklärung bin ich dankbar.

  3. ob
    26. Februar 2008 at 9:17

    Scheint doch zu passen: Thieme will an einem Artikel immer dasselbe verdienen – etwa 19 Euro. Egal, wie der Artikel verkauft wird.

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