Max-Planck-Gesellschaft kündigt Lizenzvertrag mit Springer Verlag

meldet Heise Online. [Danke an Anna]

Die MPG hat für diesen brisanten Schritt eine interessante Begründung:

Die Auswertung der Nutzungsstatistiken und Vergleiche mit anderen wichtigen Verlagen hätten ergeben, dass Springer für die angebotenen Zeitschriften etwa das Doppelte des Preises forderte, den die MPG noch für vertretbar erachtet, teilte die Gesellschaft mit.

Die MPG setzt damit ein deutliches Zeichen auch an die Politik, denn …

Wenn Verlage über die Marktmacht zur exzessiven Preisgestaltung verfügen, und dem Gesetzgeber die Bereitschaft fehle, solch unangemessenes Verhalten einer rechtlichen Kontrolle zu unterwerfen, so bleibe der Wissenschaft nur der Weg zu Selbsthilfe, heißt es seitens der MPG.

Was mit Selbsthilfe in diesem Zusammenhang jedoch genau gemeint ist, erschließt sich mir nicht auf Anhieb. Open Access kann es ja wohl nicht sein, damit würde man sich langfristig von den Forschungsergebnissen in den Springer-Journalen abkoppeln. Und wenn die Verlage die Macht haben – was keiner bestreitet – kann dieser Akt der „Selbsthilfe“ nur eine Art politisches Fanal sein, wie es auch die Norweger mit Blackwell gesetzt haben. Späterer Vertragsabschluß zu günstigeren Konditionen nicht ausgeschlossen – Wer kann einen wie auch immer gearteten Zeitschriftenboykott schon lange durchgehalten?

6 comments for “Max-Planck-Gesellschaft kündigt Lizenzvertrag mit Springer Verlag

  1. 22. Oktober 2007 at 10:37

    Selbsthilfe dürfte in diesem Kontext heißen, die eigene wissenschaftliche Reputation in die Wagschale zu werfen – und davon hat die MPG reichlich. Zumal auch und gerade die Wissenschaftler angesichts der Machenschaften der Verlage immer vernehmlicher grummeln.

    Wenn jetzt plötzlich die Top 25 des Hirsch-Index oder eine andere ansammling renommierter Leute öffentlich sagen, dass sie Springer-Zeitschriften boykottieren werden, dann hat der Verlag ein Problem, und zwar ein großes. Bei sowas geht der impact factor rasend schnell in den Keller, und dann wollen die Leute ums verrecken wo anders hin.

    Den Herdentrieb würd ich in dem Kontext nicht unterschätzen.

  2. ob
    23. Oktober 2007 at 8:56

    Zeitschriftenboykott 1 als Boykott der Subskription ist ein Ding. Das kennen die Verlage und sitzen es aus (oder bieten bessere Bedingungen). Zeitschriftenboykott 2 als Boykott der Submission von Artikeln? Da fällt mir auf die Schnelle kein Beispiel ein. IMHO lief sowas bisher nur kurzfristig und lokal begrenzt ab, also ohne Nobelpreisträger… Gründe sind bekannt: Ruhm, Geld, Karriere. Wenn die MPG jetzt neben (1) auch (2) angekündigt hätte, wäre es wirklich eine „Selbsthilfe der Wissenschaft“ und damit eine ausgezeichnete Waffe! Aber ein Aboboykott ist natürlich viel wirkungsloser. Er mag zwar einfacher zu organisieren sein (da er ohne die Mithilfe der Wissenschaftler auskommt 😉 ), aber ändert an den Grundlagen des System nichts (You publish or perish – we prosper either way).

    Interessante Diskussion, danke für den Kommentar. Letzte Woche hörte ich im Radio den polemischen Slogan „Wir brauchen ein Primat der Politik über die Wirtschaft.“ (Gregor Gysi)

    Spontan fiel mir dazu die MPG ein, die das in ihrer Presseerklärung ja auch fordert, oder?

  3. 23. Oktober 2007 at 10:18

    Die MPG weiß ganz genau, wie wenig ein Abo-Boykott bringt, insofern würde es mich überraschen, wenn die sich jetzt einfach nur zurücklehnten und guckten, was dabei rauskommt…

    Wieso ist die Forderung von Gysi eigentlich polemisch? Es ist m.E. ziemlich evident und in vielen Bereichen auch praktiziert, dass die Politik (im Sinne von „Sache des Volkes“) das Machtpotential des einzelnen einschränkt. Wozu haben wir sonst das Bundeskartellamt?

  4. ob
    23. Oktober 2007 at 11:42

    Gerade gelesen:

    Interessanterweise reichten deutsche Wissenschaftler trotz des Nature-Verbotes im Nazi-Reich dennoch weiterhin Artikel bei dem Fachmagazin ein.

    Scheint also wirklich eine starke Kraft hinter der Publikation in hochrangigen Zeitschriften zu stehen.

  5. müller
    23. Oktober 2007 at 6:12

    @ob
    es gibt ja auch noch die möglichkeiten:
    zeitschriftenboykott 3 durch die herausgeber
    zeitschriftenboykott 4 durch die gutachter
    zeitschriftenboykott 5 durch fachgesellschaften
    ….
    also die mpg hat einiges in der hand.
    mal schauen was die anderen wissenschaftsgesellschaften machen

  6. 23. Oktober 2007 at 11:58

    Natürlich. Ich würd meinen Arm für’n Paper in Nature geben, was glaubst du denn?

    Ist halt ne Prestigefrage. Wenn sich jetzt aber die ganzen namhaften Leute an so nen Boykott ranhängen, kann sich das eben sehr schnell verschieben. Dann ist es plötzlich mega-in, was in PLoS Biology zu haben. Herdentrieb halt.

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