Ergebnis: Was halten Sie von den Nationallizenzen?

Die Blitzumfrage Was halten Sie von den Nationallizenzen? lief vom 23.1. – 15.2. und kam leider nur auf 20 Antwortende (der Verweis von netbib fehlte 🙁 ). Die Diskussion ist fast müßig, im Grunde waren 80% für „Gute Idee, schlechte Umsetzung“, wobei die schlechte Umsetzung sich hauptsächlich am Ausschluß der Privatleute festmachte (darf man es dann überhaupt noch Nationallizenz nennen?) bzw. an der Aussparung wichtiger Medizintitel (obwohl daran die Verlage nicht ganz unschuldig waren, so soll Nature z.B. das 40fache einer Unilizenz gefragt haben).

Ergebnis im Detail:
– Auch Privatleute freischalten -> 35% (7 Votes)
– zu wenig Medizin -> 25% (5 Votes)
– DFG tut genug -> 20% (4 Votes)
– Gute Idee, schlechte Umsetzung -> 20% (4 Votes)

Total Votes: 20

5 comments for “Ergebnis: Was halten Sie von den Nationallizenzen?

  1. bck
    5. März 2007 at 11:49

    Was Nature betrifft, so muß ich als einer der beteiligten Verhandlungsführer der wohl gerüchtweise in die Welt gesetzten Behauptung im Beitrag oben entschieden widersprechen. Der „Multiplikator“ für die Nationallizenz konnte in zähen Verhandlungen auf unter 10 gesenkt werden. Der letztendlich für die Nationallizenz ausgehandelte Preis ist marktgerecht, auch im Vergleich zu den Archivkosten anderer Anbieter, wenn man sie in Relation zu der Größe der primären Nutzergruppe, die auch jetzt schon die Core Journals von Nature lizenziert, betrachtet (der Interessentenkreis für eine Nature Lizenz ist aber noch weit größer und umfasst wohl die Mehrzahl der berechtigten Einrichtungen, die für eine Nationallizenz infrage kommen). Ohne eine Nationallizenz können sich nur ganz wenige Unis in Deutschland das vollständige Nature Archiv leisten, da die von der NPG tatsächlich geforderten Preise für Einzelsites exorbitant hoch sind (für eine Site mittlerer Größe liegen sie nach Listenpreisen bei 100.000 € oder dem mehr als 20 x der Kosten einer Campuslizenz für die aktuellen Jahrgänge, selbst mit GASCO-Rabatten). Die Entscheidung der Gutachter, Nature trotz des achtbaren Verhandlungsergebnisses bereits im zweiten Jahr nicht zu berücksichtigen, ist für mich nicht nachvollziehbar, und ich halte sie in hohem Maße für kritikwürdig.

  2. ob
    7. März 2007 at 8:31

    Herr Kämper, der von Ihnen herausgehandelte Preis ist absolut angemessen für diese Ressource, auch gerade angesichts der prohibitiven Peise für Einzelsites. Kritikwürdig mag das Verhalten der Gutachter durchaus sein, vollkommen daneben ist aber die Informationspolitik. Ist ein Medizinexperte jemals in die Begutachtung eingebunden gewesen? Wurden die Entscheidungen aufgrund von harten Fakten wie Kosten/Nutzungszahlen getroffen (die ja in den Bibliotheken zahlreich vorhanden sind) oder anhand welcher sonstigen Kriterien? Mir ist nichts bekannt von irgendwelchen Anfragen z.B. an die AGMB als Vertreter der deutschen Medizinbibliotheken – böte sich ja an.
    Interessant auch Entstehung und Verbreitung eines solchen Gerüchts, der schwarze Peter soll wohl den Verlagen in die Schuhe geschoben werden. Mir wurde wörtlich gesagt:

    Die Nationallizenzen liegen unter dem 10-15fachen einer Unilizenz, nur Nature verlangt das 40fache.

  3. bck
    8. März 2007 at 9:38

    Lieber Herr Obst,

    nur noch zur Ergänzung: Antragsteller war die Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen, die Verhandlungsführung lag in den erfahrenen Händen von Prof. Dr. Elmar Mittler, unterstützt von Monika Cremer und Kristine Hillenkötter (alle SUB Göttingen). Auf Seiten der NPG waren Bethan Bingham aus London und Geoff Worton aus New York beteiligt. Die erste Verhandlungsrunde fand im Juli 2005 in Stuttgart statt. Als Verhandlungsführer für das GASCO Nature Konsortium, das inzwischen fast 100 Bibliotheken in Deutschland, Österreich und Schweiz vertritt, war ich in allen Phasen der Verhandlung involviert und beratend beteiligt. Wenn man weiß, dass das GASCO-Konsortium das weltweit größte NPG-Konsortium ist und dem Vernehmen nach auch die günstigsten Konditionen ausgehandelt hat, dann kann man sich denken, dass uns die NPG auch hier sehr weit entgegenkommen musste. Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich keine Scheu habe, bei unakzeptablen Bedingungen nein zu sagen und bspw. auch Bibliotheken vom Kauf abzuraten. Für meine Person stehe ich voll hinter den von der SUB Göttingen erzielten Verhandlungsergebnissen.

  4. bck
    8. März 2007 at 10:30

    P.S.: In den Verhandlungen hatte die SUB Göttingen auch erreicht, daß das Archiv auch von wissenschaftlich interessierten Privatpersonen hätte genutzt werden dürfen (nach persönlicher Registrierung für den kostenlosen Zugriff über die SUB Göttingen). Das ist für die Archive von STM-Zeitschriften ansonsten nur für das OUP- und LWW-Archiv gelungen. Damit hätte dieses als Spiegel der Wissenschaftshistorie wie als Anschauungsmaterial für die naturwissenschaftliche Bildung einzigartige Archiv (1869 – 1996) einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können. Dies wäre sicher auch im Sinne der Intentionen der „Göttinger Erklärung zum Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft“. Es ist wahrlich jammerschade, daß diese Chance vertan wurde.

  5. ob
    8. März 2007 at 2:48

    Oh nein, erzählen Sie bitte nicht mehr, mir graust es jetzt schon, was da für eine Chance vertan wurde! :frown:

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