Vereinbarung Börsenverein – DBV

Die große Wogen verursachende Vereinbarung zwischen Börsenverein und Deutschen Bibliotheksverband wurde bereits in netbib heftig kommentiert, nun rudert das Urheberrechtsbündnis (zumindest in Teilen) in seiner Stellungsnahme vom 12.2. zurück. Jetzt ist es nicht mehr nur kontra-Wissenschaft, sondern auch einer Doppelstrategie geschuldet, zwischen einem eher kurzfristigen, politisch-pragmatischen Handeln (DBV) und einer eher langfristigen Zielverfolgung (Bündnis).

Zitat des Tages:

Der tatsächlichen – wirtschaftlichen und praktischen – Bedeutung entspricht das politische Aufsehen, das den §§ 52b und 53a gewidmet wird, in keiner Weise. Sie sind Zeugen eines Technologieverständnisses, das den modernen Formen der Informationsvermittlung nicht mehr entspricht. Sie mögen für gewisse Kreise zwar durchaus den sprichwörtlichen Spatz in der Hand darstellen, während die große Zukunft für sie noch in der Luft schwebt; bereits heute zeigen die Erfahrungen jedoch, dass die Normen keine tragfähigen Perspektiven vermitteln. Weder ist es eine realistische Option, vorhandene physische Werkexemplare ohne Hinzufügen eines informationellen Mehrwerts (z.B. eine elektronische Recherchiermöglichkeit) bloß einzuscannen und auf Bildschirmen sichtbar zu machen, noch wird die Möglichkeit, Kopien von wissenschaftlichen Beiträgen von Hand zu erstellen, um sie an bestimmte Auftraggeber zuzuleiten, die real bestehenden Bedürfnisse zu befriedigen vermögen. Es werden sich daher sehr bald Geschäftsmodelle entwickeln müssen, welche deutlich über die durch die beiden Normen geschaffenen Möglichkeiten hinausgehen werden. Reto Hilty

2 comments for “Vereinbarung Börsenverein – DBV

  1. Rainer Kuhlen
    15. Februar 2007 at 9:38

    Es wäre nett, wenn der obige Text als Zitat von Reto Hilty angegeben worden wäre. Es stammt aus seinem Vortrag vor dem Rechtsausschuss des Deutschen Bundestags im November 2006. Im übrigen kann von Zurückrudern des AKtionsbündnis keine Rede sein. Wer die oben referenzierte längere Stellungnahme liest, wird erkennen, dass sich das Aktionsbündnis scharf, sowohl im Detail als auch wegen der dort vermittelten politischen Botschaft, gegen die Vereinbarung von Börsenverein und DBV richtet (auch wenn es Verwunderung hervorrufen mag, dass einige der bibliothekarischen Vertreter im Aktionsbündnis auch Autoren der Vereinbarung waren – Bibliothekare können das, und das Aktionsbündnis kann das aushalten – es gilt, was das Aktionsbündnis sagt). Das Aktionsbündnis steht voll hinter der politischen Aussage der 6 Bibliotheksdirektoren in ihrem Anschreiben an den DBV von Mitte Februar, mit dem sie sich ebenfalls vom Zustandekommen und der Botschaft der Vereinbarung distanzieren. Wie das wiederum ein Verband aushält, muss das Aktionsbündnis nichts angehen.

  2. ob
    21. Februar 2007 at 9:39

    Danke für die Info! Ich hatte nichts über den Autor in der Pressemeldung gefunden, aber ich werde es gerne anfügen.

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