Jan Veterop zum „Wert“ einer Zeitschrift

Wie immer liefert Veleterop einige interessante Argumente, diesmal zur der oben gebloggten Studie „Value based Prices„. (Hervorhebungen von mir)

What are „prices that are not commensurate with the value they provide to libraries and their communities“? The value will be different in different circumstances. Even in one institution, the value of a particular article or journal may vary from one day to the next. Much of the value resides in the availability rather than in the usage. And what we are prepared to pay, i.e. how we value things, is a judgement that underlies market economics. We, society at large, justify paying more for top researchers than for beginning ones; we justify putting more expensive equipment in one laboratory than in the next. We put more money in one research project than another. We balance the price and the value we perceive to be getting. If we give ourselves a chance to come to fair prices for the services of publishing, then we have gained a lot.

The current subscription system doesn’t easily give us that chance. Nobody knows what a fair price is. Cost-based pricing would make a small number of very popular journals less expensive, but an awful lot more niche journals, now in effect cross-subsidised, a lot more expensive. Do niche journals have a higher or lower quality? Or value? We are, absurdly, measuring „cost per download,“ „cost of citation“ and the like and believe we are measuring value. [Das ist natürlich ein „Super-Argument“ und würde zum Stillstand sämtlicher Evaluierungsversuche führen. Preis ist nunmal wichtig, und welche verläßliche Größen haben wir schon ausser der Nutzung? Geschweige denn auf Artikelbasis! Mein erstes Gedanke war: Das kann nur das Argument eines teuren Verlags sein …] Has anybody ever approached, say, the proceedings of a parliamentary debate in that way? Even just as a thought experiment? What is ‚usage‘ anyway? Scientific articles are important documents. The only thing that valuing them by their usage and citation does is to make the usage and citation potential of articles into criteria for publishing them, instead of their intrinsic scientific merit. Thus making a brilliant article that few understand seem pretty worthless. And – possibly worse – making a poor, but controversial, popular, and fashionable article seem the more valuable of the two. Surely, that can’t be where we want to go?

2 comments for “Jan Veterop zum „Wert“ einer Zeitschrift

  1. Jan Velterop
    29. Januar 2007 at 8:48

    Of course usage figures are the only quantative data we have. That doesn’t mean they are the right ones to assess journals‘ value. Albert Einstein already said „Not everything counts that can be counted, and not everything that can be counted counts“ (if I can get my German right: „Nicht alles was zählt, kann gezählt werden, und nicht alles was gezählt werden kann, zählt“).
    Value, by definition, is a judgment on the side of the buyer and on the side of the seller, and a fair price is one at which the seller is prepared to sell and the buyer prepared to by, so ‚valuing‘ the goods. The problem in a subscription system of science journals is tat such mutual valuing doesn’t — cannot — take place. An open access system based on article fees at least opens up the possibility of arriving at a fair price. It also avoids the value of publishing an article being judged purely on inappropriate metrics, such as usage.

    The comment that this can only be an argument from an expensive publisher is gratuitous and unwarranted.

    Jan Velterop

  2. ob
    30. Januar 2007 at 6:19

    Genau getroffen, Herr Velterop, genauer als Sie vielleicht denken. Das ist der springende Punkt! Gibt es sowas wie Angebot und Nachfrage im Academic Publishing? (jetzt muss ich leider Deutsch schreiben. Ich hoffe, dass Sie trotzdem diese interessante Diskussion weiterführen?!)

    1. Der Wert eines Artikels kann nicht „gemessen“ werden, er ergibt sich nur aus Angebot und Nachfrage.

    2. Was für Bananen oder Modekleider vielleicht zutrifft, findet kein entsprechendes Szenario in der „Informationswelt“.

    – Hier existiert bekanntermassen kein freier Markt mit mehreren Anbietern der mehr oder weniger gleichen, das jeweilige Bedürfnis befriedigenden Ware. Es existieren dagegen kleine und große Anbieter, die über Minimonopole in Form der einzelnen Zeitschriftentitel verfügen. Einige haben mehr Minimonopole, andere weniger, aber der Effekt für den Konsumenten ist identisch. (Die benötigte Information ABC steht nur in dem Artikel der Springer-Fachzeitschrift XY drin, nirgendwo sonst.)

    – Wird eine Banane verkauft, hat der Supermarkt eine Banane weniger. Das zu verkaufende Gut „Fachartikel“ wird aber nicht durch Verkauf erschöpft (im Gegenteil, durch Nutzung vielleicht eher wertvoller).

    – Es gibt noch aus einem anderen Grund keine Konkurrenz auf der Nachfrageseite: Wieviele Artikel werden überhaupt nie gelesen, wieviele überhaupt nur einmal? Da die meisten Informationsbedürfnisse einzigartig sein dürften, hätte ein Interessent keinen Mitbietenden, also keine Konkurrenz zu befürchten.

    3. Das Szenario für dieses Angebots/Nachfrage-Setting wäre – als Gedankenspiel – ein Fachartikel-Ebay, in dem der Verlag den ABC-Artikel künstlich verknappt, damit der händeringende Notarzt mehr dafür bietet als der marginal interessierte Grundlagenforscher.

    4. Ich behaupte – und hier erwarte ich Ihren Widerspruch – , dass das Basisgeschäft eines Verlags ist, aus Gemeingütern durch künstliche Verknappung (= hohe Preise) Luxusgüter zu machen.

    Und hier beißt sich die Katze in den Schwanz: Preiswerte Verleger mit niedrigen Kosten/Nutzungs-Raten freuen sich über diese Zahlen, kostspielige Verleger nicht (Springer liegt irgendwo in der Mitte nach unseren Zahlen). Also kommt es kostspieligen Verlegern prinzipiell durchaus ungelegen, wenn jemand Zeitschriften (wenn auch untauglich, aber wir haben nichts anderes) durch Kosten/Nutzung evaluiert – das ist keine gute Werbung fürs Geschäft – entweder erwirtschafte ich zuviel Profit oder der Laden arbeitet nicht effektiv genug. Der Wissenschaftler guckt mittlerweile sehr genau auf diese Zahlen.

    Und letztenendes könnte man ja auch argumentieren, dass die Anzahl der Downloads sehr wohl ein Maß für den Bedarf (und damit den „Wert“) auf der Angebotsseite darstellt, wenn man bedenkt, dass der Mediziner seine kostbare Ressource Zeit (ein sich erschöpfendes Gut) im Naturalien-Tausch gegen die Ressource Information einsetzt. Die einzelne Transaktion Zeit/Info wird man dabei vielleicht nicht gerecht, aber die Summe aller Transaktionen auf eine Zeitschrift mag sehr wohl den durchschnittlichen Wert dieses Titels wiedergeben.

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