Biomed Central erhöht Article Charge drastisch

Biomed Central hat die „Standard“-Article-processing Charge für akzeptierte Veröffentlichungen von 500 auf 1.100 Euro erhöht. Die Spanne reicht von 490 (all other journals) bis 1.405 Euro (Respiratory Research). Dieser unpopuläre Schritt war zu erwarten gewesen, nachdem Kommerz und Konkurrenz immer wieder mit höheren Zahlen als den läppischen 500 Euro operierten. Spannend, ob jetzt noch so viele Bibliotheken/Fakultäten diese – nun nicht mehr ganz so – preiswerte Publikationsalternative durch Mitgliedschaften unterstützen. Hinzukommt, dass die Abdeckung von Publikationskosten in Forschungsanträgen mittlerweile Usus geworden sind. Wenn man die 1.100 Euro übernimmt, wieso nicht auch die von PLoS? Oder die von Blackwell oder Springer? Alles in allem vielleicht auch nur eine gute Gelegenheit, um aus dem Vertrag auszusteigen…

8 comments for “Biomed Central erhöht Article Charge drastisch

  1. 7. November 2005 at 3:17

    Als der Wissenschaftsrat in seinen Empfehlungen mehr Forschungstätigkeiten für unser Institut angemahnt hatte, habe ich die institutionelle Mitgliedschaft bei BioMed Central angeregt und gehofft, damit auch OA zu unterstützen. Da sich aber bei uns nach eineinhalb Jahren nichts in Bezug auf Veröffentlichungen über BMC getan hat (bei Springer, Elsevier u.a. wird allerdings von unserem Haus publiziert), werde ich den Vertrag zur nächsten Gelegenheit kündigen.

  2. ob
    7. November 2005 at 6:20

    Bei uns sind’s 4 – auch nicht die Welt. Das deutsche BMC-Konsortium hatte 169 Artikel im letzten Jahr, wieviele Promille sind das von allen publizierten? Aber so darf man vermutlich nicht denken. Vielleicht hat ja der Vertrag schon Elsevier & Co. so ängstlich gemacht, dass die nur noch vorsichtig an der Preisschraube drehen. Bei 1% weniger Preiserhöhung (statt 10% nur 9%) habe ich die BMC-Kosten schon raus! 😉

  3. stamm
    11. November 2005 at 11:03

    Kommentar zu duda:

    Die Veränderungen greifen verständlicherweise sehr sehr langsam. Bereits jetzt OA den Rücken zu kehren wäre in meinen Augen falsch, da noch weit über 50% aller schreibenden Wissenschaftler keine oder eine falsche Vorstellung von OA haben. Bei den meisten Manuskripten die ich für Head & Face Medicine erhalte liegt noch immer ein Copyright-Transfer bei. Der traditionelle Weg ist zu sehr eingefahren. Dass OA Artikel durch die freie Verfügbarkeit mehr zitiert werden als andere ist Interessanterweise für viele Autoren logischer, leichter nachvollziehbar und damit erstrebenswerter als die komplexen ethischen und finanziellen Hintergründe von OA. Deshalb, Autoren und Bibliothekare: Bitte haltet durch!

  4. ob
    11. November 2005 at 2:09

    Angesichts von schrumpfenden Etats scheint die Unterstützung von OA schon fast ein Luxus zu sein. Man muß man sich nichts vormachen: OA ist nicht für die Lösung der Bibliothekspreiskrise gemacht und trägt mittelfristig auch nichts zu einer derartigen Lösung bei.

  5. 11. November 2005 at 2:26

    Wenn wir nächstes Jahr im Juni Bilanz ziehen, haben wir für die BioMed Central-Mitgliedschaft vermutlich fast 3200 Euro ausgegeben und dort keine Arbeit veröffentlicht. Es fällt mir schwer, diese Kosten weiter zu begründen, da im nächsten Jahr für die institutionelle Mitgliedschaft sicher wieder teurer wird. Ich finde die Idee von OA auch unterstützenswert, aber wie lange soll (kann) man das durchhalten?

  6. ob
    11. November 2005 at 2:51

    Publikationstechnisch muß natürlich was rumkommen, sonst ist es herausgeworfenes Geld… Wieso publiziert denn keiner bei euch in BMC-Titeln?

  7. 11. November 2005 at 3:49

    Einige Wissenschaftler wollen halt wegen der Impact-Faktoren nur bei Elsevier, Wiley, Springer o.ä. publizieren. Obwohl es IF ja auch schon bei OA gibt, worauf ich auch schon in unserem Hausblättchen hingewiesen habe. Die Reaktion auf die Artikel war Null. Vielleicht lag’s ja an meinen Beiträgen, aber ich vermute, dass viele sich gar nicht mit dem Thema beschäftigen. „Wat de Buur nech kennt, frett er nech“ o.ä. Einer sagte mir, er sei „kein Revolutionär“ (was ich auch wirklich nicht vermutet habe ;-). Andere bemerkten, sie überlegen es sich. Wobei es dann blieb. –
    Ich mache jetzt im Haus noch mal eine Umfrage zum Stand der Dinge und evtl. einige Info-Veranstaltungen. Vielleicht hab‘ ich noch nicht genug gequengelt.

  8. ob
    16. November 2005 at 10:01

    Ja, steter Tropfen höhlt den Stein 😉 . Die Betreiber von Hochschulschriftenservern/Institutional Repositories kommen jetzt auch so langsam darauf, dass es nicht reicht, eine technische Lösungen anzubieten. Das eminent konservative Publikationsverhalten muß aufgebroechen werden, das geht nur durch intensives Marketing und dem Angebot eines Mehrwertes für die Autoren. Dieser kann rein ideeler Natur sein (für die Ethos: Ich publiziere OA, weil ich die Freiheit der Wissenschaft auf meine Fahnen geschrieben habe und/oder die Forschungsversteckpolitik der Verlagskonzerne nicht unterstützen möchte) oder rein eigennutzenorientierter Natur sein (für die Egos: Mein geniales Forscher-Ich wird sichtbarer und die Karriere wird unterstützt). Mischformen mag es geben, aber viel mehr Bandbreite sehe ich da zur Zeit nicht.

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