Medline (PubMed): Clinical Queries
13. August 2004 by motsch | Kategorien: Evidence-based-Medicine, Literatursuche, Medline
Es ist im Prinzip nichts dagegen einzuwenden, wenn man versucht, sich bei einer Recherche das Leben einfach zu machen und sich nicht um die Medline-Suchfunktionen kümmern zu müssen. Mit dem Link „Clinical Queries“ lässt sich bei Pubmed schnell und einfach nach systematischen Reviews und Literatur zu Fragen wie Therapie, Ätiologie, Diagnose und Prognose suchen. Die intern ablaufenden Suchstrategien sind in der Filter Table und unter systematic[sb] hinterlegt. Je nach Fragestellung und Zielsetzung reichen die intern ablaufenden Strategien aber nicht aus. Außerdem ist die Übersetzung der von Haynes RB et al. entwickelten Diagnose-Strategie mit Ovid in die PubMed-Syntax nicht korrekt (s. Response).
Ich bin kein Freund von „Konserven“ wie z.B. „Clinical Queries“ oder „Automatic Term Mapping“ bei PubMed. Diese verwende ich bestenfalls für eine erste schnelle Orientierung und nutze lieber die speziellen Medline-Suchfunktionen wie die MeSH-Database, Limits, Textwortsuche etc., um die „Zutaten“ selbst auszuwählen und zu kombinieren. Rezepte für empfehlenswerte Suchstrategien für systematische Reviews und Fragen in der Evidenzbasierten Medizin haben z.B. Mitglieder der Cochrane Collaboration in zahlreichen Publikationen und auf ihren Webseiten veröffentlicht. Wie in der Kochkunst können auch in der Literatursuche Rezepte variiert und weiter entwickelt werden.
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2 Responses to “Medline (PubMed): Clinical Queries”


Wie ich selber feststellen musste, sollte man Rezepte oder empfohlene Suchstrategien auf keinen Fall unkritisch übernehmen. Ganz im Gegenteil, man sollte sie sogar prinzipiell ablehnen (persönliche Meinung). Suchstrategien in Text-basierten Datenbanken unterliegen nämlich einem nicht-linearen Verhalten, d.h. hier herrscht (die) Chaos (-Theorie). Hier versagen die ausgearbeiteten “search strategies” der Cochrane Collaboration ebenso wie die “Clinical Queries” von Haynes et al.. Mit unserer Arbeit (PDF) konnten wir nachweisen, dass mit Veränderung eines einzigen Buchstabens das Suchergebnis sukzessiv ins Chaos stürzte, und zwar ähnlich dem des “butterfly effect”: Small variations in initial conditions result in huge, dynamic transformations in concluding events.
In Ihrem o.g. Comment zeigen Sie in Ihrer erwähnten Arbeit sehr gut den Unterschied der Ergebnisse durch die variable Truncation eines Wortes. Auf den ersten Blick mag es tatsächlich überraschend erscheinen, dass bei PubMed bei einer reinen Textwortsuche MIT Truncation weniger gefunden wird als durch das
Ausschreiben eines Wortes. Das liegt an der PubMed-spezifischen Besonderheit des “Automatic Term Mappings”, z.B. automatische Zuordnung eines passenden MeSH-Terms.
orthodon* findet alle Begriffe, die in den suchbaren Feldern (z.B. Titel, Abstract, MeSH-Terms) mit orthodon anfangen. Das “Automatic Term Mapping” wird durch die Truncation allerdings ausgeschaltet. Schreibt man orthodontics aus, versucht PubMed das Automatic Term Mapping anzuwenden. Unter dem Link “Details” wird die intern erweiterte Strategie angezeigt:
orthodontics[MeSH Terms] OR orthodontics[Text Word]. In der MeSH Database sieht man die hierarchische Position des MeSH-Terms Orthodontics mit seinen Unterbegriffen. Dabei fällt auf, dass es viele MeSH-Begriffe darunter gibt, die den Wortanfang orthodon gar nicht enthalten. Durch das Automatic Term Mapping hat PubMed aber mit orthodontics[MeSH] auch nach allen Unterbegriffen gesucht. Zusätzlich wurde noch exakt nach orthodontics in den suchbaren Feldern gesucht.
Bei angestrebter hoher Sensitivität eines Suchergebnisses empfiehlt sich sowohl eine Suche mit der MeSH-Database als auch eine ergänzende Textwortsuche mit Truncation für variable Endungen.
Auf den Webseiten des deutschen EbM-Netzwerkes http://www.ebm-netzwerk.de
sind unter dem Link “EbM-Splitter für Zahnmediziner” vier Beiträge zur Medline-Suche mit PubMed frei zugänglich: Nr. 3, 17, 18, 20. Um beim Vergleich mit der Kochkunst zu bleiben - meine ganz persönliche Devise: Grundsätzliche Regeln beachten, Strategie variieren nach Anspruch, Konserven nur verwenden, wenn man es eilig hat und nicht weiß wie’s geht oder wenn man den Inhalt noch verfeinern möchte.