Plagiatsfälle in Medizinischen Promotionen. Was haben Medizinbibliotheken damit zu tun?

Das Thema wissenschaftliche Plagiate ist zwar mangels neuer prominenter Sünder etwas aus dem Fokus der Öffentlichkeit verschwunden, aber an den Universitäten immer noch präsent und brandaktuell. Auch in der Medizin kann von vielen unentdeckten Plagiatsfällen in Promotionen ausgegangen werden.

So hat jetzt die Universität Münster mehrere medizinische Doktortitel auf Grund bewiesener Plagiate aberkannt.

Der Medizinischer Fakultätentag (MFT) begrüßt das konsequente Vorgehen gegen wissenschaftliche Plagiate und verweist zur Sicherstellung der Qualität wissenschaftlicher medizinischer Promotionen auf sein Positionspapier „Strukturierte Promotion und wissenschaftliche Ausbildung in der Medizin“ vom April 2016.

Die Kernempfehlung in dem Positionspapier geht dahin, die Wissenschaftskompetenz bereits im Studium breit zu verankern. Zur Rekrutierung des wissenschaftlich-ärztlichen Nachwuchses dient dann die vertiefende wissenschaftliche Ausbildung mit dem Ziel der Promotion. Die an vielen medizinischen Fakultäten heute gängige Praxis der „studienbegleitende Promotion“ soll durch „strukturierte Promotionsprogramme“ mit Unterstützung u.a. vor Ort etablierter Graduiertenschulen abgelöst werden.

Was haben Medizinbibliotheken damit zu tun?

Neben mehreren Forderungen und Empfehlungen ist in dem Positionspapier auch ein Punkt „Literaturseminar“ (wenn auch nur in Klammern) aufgeführt. Das Wesen vieler wissenschaftlicher Plagiate sind in den meisten Fällen fehlerhafte oder gänzlich ausgelassene Nachweise über eingefügte Zitate. Also eher ein Problem in der Handhabung von Literatur, als einer medizinischen Fragestellung.

Wer in seiner Einrichtung oder Hochschule in der Betreuung von Literaturverwaltungsprogrammen tätig ist, kann sicherlich folgendes bestätigen: In den Schulungsveranstaltungen zu EndNote, Citavi und Co. werden gerade von Medizinstudierenden oftmals Fragen zur Literaturrecherche oder Praktiken des wissenschaftlichen Arbeitens gestellt, die Studierende anderer Fachbereiche bereits im Grundstudium zu beherschen haben. Es fehlen oft formale Grundkenntnisse des wissenschaftlichen Arbeitens.

Diese fehlenden Grundkenntnisse können den Medizinstudierenden aber nicht wirklich zum Vorwurf gemacht werden.

Es liegt einfach im Aufbau und Wesen des Medizinstudiums, den Studierenden viel Faktenwissen abzuverlangen und dieses in unzähligen „Multiple choice“ Prüfungen abzufragen. Die Erstellung einer wissenschaftlichen Hausarbeit ist in vielen Curricula nicht vorgesehen. Die Promotion ist für viele Medizinstudierende der erste Kontakt mit medizinischer Forschung, vertiefter Literaturrecherche und Techniken des wissenschaftlichen Schreibens. Der beginn einer Promotion wird von vielen Medizinstudierenden im laufenden Studium angestrebt. Der Zwiespalt besteht darin, ein anspruchvolles und zeitintensives Studium zu meistern und zusätzlich noch Zeit zum forschen und wissenschaftlichen Schreiben zu finden. Wenn zeitersparende Kompromisse und Abstriche zu machen sind, dann glauben wohl leider einige, eher beim Letztgenannten.

Das dem nicht so ist und ein sorgfältiges Arbeiten mit der Literatur ein wesentlicher Bestandteil einer jeden wissenschaftlichen Arbeit ist, das gilt es zu vermitteln.

Die Umsetzung der MFT-Forderung, den Erwerb von Wissenschaftskompetenz verstärkt im Medizinstudium zu verankern, sollte die Medizinbibliotheken aufhorchen lassen. Wir sind die Partner und Experten in Fragen der Literaturrecherche und -beschaffung. Zusätzlich können wir Hilfestellung bei Fragen zur Literaturverwaltung und formalen Aspekten des wissenschaftlichen Schreibens geben. Es wäre schön gewesen, wenn der MFT in seinem Positionspapier auf die Kompetenz und Kooperationsbereitschaft der Universitäts- und Medizinbibliotheken hingewiesen hätte.

Jahrestagung der AGMB 2017 in Wien – Call for Papers

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

 

die Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft für Medizinisches Bibliothekswesen e. V. findet in diesem Jahr von Montag, 25.09. bis Mittwoch, 27.09.2017 in der Veterinärmedizinischen Universität Wien /Vetmeduni Vienna statt.

 

Sie steht unter dem Motto „Medizinbibliotheken inter:disziplinär – inter:national – inter:aktiv“ und soll Vorträge, Treffpunkte und Poster zu folgenden Themenschwerpunkten beinhalten:

 

–           Internationalität und Interdisziplinarität im bibliothekarischen Kontext

–           Kulturelle Vielfalt: Zielgruppenspezifische Angebote nicht nur für Krankenhausbibliotheken

–           Qualitätsmanagement in Kliniken:  Zertifizierung von Wissenstransfer

–           (Urheber) -recht in (digitalen) Bibliotheken

–           Neue (technische) Entwicklungen für Bibliotheksdienstleistungen

–           Strategien der Serviceentwicklung und Qualitätssicherung

 

 

Jeder ist herzlich eingeladen, folgende Beiträge zu diesen Schwerpunkten, aber auch gern zu anderen interessanten Themenbereichen einzureichen:

 

Vorträge (20 Minuten und 10 Minuten Diskussion) Am Dienstag- und Mittwochvormittag bieten wir Ihnen die Möglichkeit, in 20 Minuten ein Thema Ihrer Wahl aus oben genannten Themenbereichen vorzustellen und anschließend in 10 Minuten mit dem Plenum zu diskutieren.

 

5+5-Minuten-Kurzvorträge (5 Minuten Vortrag, 5 Minuten Diskussion)

Am Dienstagnachmittag können Sie in 5 Minuten auf max. 5 Folien Ideen, innovative Ansätze und Projekte vorstellen, ohne das Thema zum umfangreichen Vortrag auszubauen. Anschließend haben Sie 5 Minuten Zeit, um Fragen aus dem Plenum zu beantworten.

 

Poster „aus der Praxis für die Praxis“

In der Postersession am Dienstagvormittag können Sie Projekte, Studienarbeiten oder sonstige interessante Ansätze Ihrer Einrichtung vorstellen. Die besten Poster werden in der Abschlussveranstaltung am Mittwoch prämiert. Für Format und Gestaltung der Poster gibt es keine Vorgaben.

 

„Treffpunkte“ AGMB

In kleiner Runde am Dienstagnachmittag haben Sie die Gelegenheit, in ca. 60 Minuten mit Kolleginnen und Kollegen gemeinsam ein Thema, das Sie aktuell bewegt, zu diskutieren und Ihre Erfahrungen dazu auszutauschen. Diese Treffpunkte werden durch Sie und Ihre aktive Beteiligung gestaltet und verzichten daher auf Präsentationen und Vorträge. Schlagen Sie ein Thema vor und/oder werden Sie Moderator. Der Vorstand kümmert sich auch gern um die Moderation.

 

Unsere Tagung lebt vom aktiven Engagement möglichst vieler. Deshalb freuen wir uns auf Ihre aktive Teilnahme und zahlreiche Meldungen von Ihnen!

 

Bitte senden Sie Ihre Vorschläge bis zum 30.04.2017 an die Vorsitzende der AGMB Dr. Iris Reimann, E-Mail: reimann@ub.rwth-aachen.de<mailto:reimann@ub.rwth-aachen.de>

Dagmar Härter

 

 

Eugene Garfield

Am 26. Februar 2017 verstarb der „Vater“ des „Science Citation Index“ Eugene Garfield. Da der Science Citation Index mit seinem Impact Factor eine große Bedeutung für das medizinische Publikationswesen hat, möchten wir an dieser Stelle an den Pionier der Bibliometrie und Zitationsanalyse erinnern.

Weblinks:

Offizielle Homepage Eugene Garfield

Scientometrics Pioneer Eugene Garfield Dies. In: The Scientist. 27. Februar 2017.